Der Bundeshaushalt 2027 sieht Gesamtausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor – das sind 30,9 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2026. In der ersten Sitzungswoche nach der Sommerpause berät der Bundestag über den Regierungsentwurf, der die finanziellen Schwerpunkte der kommenden Legislaturperiode abbildet.
Schwerpunkte im Überblick
Mit Abstand größter Einzelplan bleibt der Etat für Arbeit und Soziales: Hier sind 201,46 Milliarden Euro vorgesehen, vor allem für Rentenversicherung, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie für die Grundsicherung für Arbeitsuchende. Der Verteidigungsetat erreicht mit 139,6 Milliarden Euro erneut einen Höchststand – davon entfallen 109,7 Milliarden Euro auf den regulären Wehretat und 29,9 Milliarden Euro auf das Sondervermögen „Bundeswehr“. Möglich machen dies das 2022 beschlossene 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen sowie die Grundgesetzänderung, die Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse ausnimmt.
Das Forschungsbudget bleibt mit 21,97 Milliarden Euro nahezu stabil, während der Gesundheitsetat mit 14,33 Milliarden Euro deutlich reduziert wird – ein Rückgang von 7,43 Milliarden Euro gegenüber 2026, vor allem bedingt durch geringere Ansätze für die gesetzliche Krankenversicherung. Der Haushalt des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sinkt um 1,19 Milliarden Euro auf 15,48 Milliarden Euro, hauptsächlich aufgrund niedrigerer Ansätze bei den gesetzlichen Familienleistungen wie Elterngeld und Kindergeld.
Weitere Ressorts im Fokus
Der Etat des Bundesinnenministeriums steigt um 951 Millionen Euro auf 16,71 Milliarden Euro und finanziert unter anderem Bundespolizei, BKA, BfV, BSI, BBK, Bamf sowie die Bundeszentrale für politische Bildung. Beim Bundeskanzleramt sind 5,16 Milliarden Euro geplant – ein Anstieg um 165,5 Millionen Euro, maßgeblich getrieben durch höhere Ausgaben für den Bundesnachrichtendienst. Das Auswärtige Amt erhält 5,9 Milliarden Euro für Friedenssicherung, humanitäre Hilfe und Auslandskulturarbeit.
Im Bereich Digitales und Staatsmodernisierung sind 1,44 Milliarden Euro vorgesehen, um IT-Infrastruktur, Cybersicherheit und Bürokratierückbau voranzutreiben. Der Verkehrsetat beläuft sich auf 26,43 Milliarden Euro aus dem Kernhaushalt und finanziert Bundesfernstraßen, Schienenwege, Radwege an Bundesstraßen sowie Bundeswasserstraßen. Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität fließen zusätzlich rund 54,9 Milliarden Euro in Investitionen – etwa in Verkehrs-, Energie-, Krankenhaus-, Bildungs- und Wohnungsinfrastruktur sowie in Digitalisierung und Sport.
Entwicklung in ausgewählten Bereichen
- Finanzen: 11,1 Milliarden Euro für Beamtenversorgung, Entschädigung für NS-Verfolgte, Zollverwaltung und die Beauftragte für Ostdeutschland.
- Umwelt und Klimaschutz: 2,74 Milliarden Euro für Endlagerung radioaktiver Abfälle, Klimaanpassung und nukleare Sicherheit.
- Wirtschaft und Energie: 5,55 Milliarden Euro für Industrieforschung, Automobilförderung, Strompreiskompensation und klimaneutrale Netze.
- Landwirtschaft: 6,97 Milliarden Euro, unter anderem für Agrarstruktur, Küstenschutz und Förderung des Umbaus der Tierhaltung.
- Wohnen und Bau: 7,5 Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau, Wohngeldfinanzierung und Städtebauförderung.
- Justiz und Verbraucherschutz: 1,2 Milliarden Euro für Personal, Gerichte und Verbraucherschutzmaßnahmen
Der Haushalt 2027 spiegelt damit die politischen Prioritäten der Bundesregierung wider: Stärkung von Verteidigung und innerer Sicherheit, Fortsetzung wichtiger Infrastruktur- und Klimainvestitionen über Sondervermögen sowie Konsolidierungsbemühungen in mehreren zivilen Ressorts.